TOP Ö 2: Bericht über Mobbing unter Kindern und Jugendlichen, Antrag der Grünen Liste Bericht in der Sitzung

Beschluss: zur Kenntnis genommen

Der Jugendhilfeausschuss nimmt dies zur Kenntnis.


Der Vorsitzende verweist auf den Antrag der Grünen Liste der vorletzten Stadtratssitzung vom 29.01.2014 und übergibt das Wort an die Kollegen.

 

Herr Wilhelm erläutert, dass Mobbing ein sehr vielseitiges Thema ist, das Jeden, unabhängig in welchem Alter man ist, in jedem Bereich treffen kann. Er berichtet weiterhin, dass sich dieser weitläufige Begriff mit vielen Definitionen in den letzten 30 Jahren stark gewandelt hat. Geprägt durch das Zeitalter der neuen Medien zielt Mobbing nun immer mehr auf die Psyche des Menschen. Die nachfolgenden Kollegen möchten die Problematik, mit dem das Jugendamt sich tagtäglich auseinandersetzt, nun näher erläutern.

 

Herr Bayerle (Jugendscout / Schulsozialarbeiter):

 

Herr Bayerle erläutert, dass die tägliche Schulsozialarbeit zwei Bereiche gegen Mobbing erarbeitet hat. Zum einen gibt es ein Seminar, welches über die Folgen von Mobbing in Bezug auf die Mobbingopfer und auch der Täter aufklären soll (präventive Maßnahme).  Zum anderen gibt es den „no blame approach“-Ansatz (Ohne-Schuld-Ansatz). Dieser ist reaktiv, das heißt er wird angewandt, wenn es einen Mobbingvorfall gegeben hat. Direkte Folgen von Mobbing in unserem Kreis sind laut Herr Bayerle Schulverweigerung, Schulwechsel, gewalttätige Reaktionen und suizidale Neigungen.

Mobbing-Komponenten, an denen sich erkennen lässt, ob Mobbing ein Thema ist oder nicht sind beispielsweise:

·        Mobbing-Handlungen, wie körperliche, psychische und nonverbale Angriffe,

·        Beleidigungen über die Familie,

·        Sachbeschädigung,

·        Cyber-Mobbing.

Mobbing-Signale der Betroffenen sind zum Beispiel:

·        Verhaltensänderungen

·        Leistungsabfall

·        Isolierung

·        Suchen der Nähe zu Lehrkräften

·        Schulverweigerung

·        beschädigte Schulsachen

·        körperliche bzw. psychische Veränderungen, die auf Mobbing hindeuten können

·        Informationsquellen, wie Mitschüler, Eltern, Lehrer, Schulsozialarbeiter, der Kummerkasten

Herr Bayerle weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass gerade „Cyber-Mobbing“ sich im Zeitalter der neuen Medien vervielfacht hat, da die Anonymität gewahrt werden kann. Der „no blame approach“-Ansatz verfolgt hierzu drei Schritte, wie letztlich dem Problem entgegen gewirkt werden kann:

Der 1. Schritt:

Das Gespräch mit dem Mobbingopfer suchen, um Täter und Mitläufer zu ermitteln, welche dann im

 

2. Schritt:

Eine Unterstützungsgruppe mit ein paar Außenstehenden bilden sollen, um sich in einem Gespräch zu beraten, wie man dem Mobbingopfer den Schulalltag wieder angenehm gestalten kann.

 

Der 3. Schritt:

Das Führen eines Nachgespräches mit allen Beteiligten, um zu erfahren, ob sich etwas verbessert oder verschlechtert hat. Laut Herrn Bayerle treten bei diesem Ansatz auch Probleme auf, nämlich die fehlende Bereitschaft der Zusammenarbeit und die Aufnahmefähigkeit von Tätern und Mitläufern. Außerdem ist dies sehr zeitintensiv und der Unterrichtsstoff muss nachgearbeitet werden. Oft waren die Täter mit dem Opfer zuvor gut befreundet, denn die wissen dann mehr über die Person und können dies gut gegen ihn verwenden.

 

 

Frau Bieg (Präventionsfachkraft):

 

Frau Bieg erläutert anhand von zwei Beispielen, wie die Ziele

·        gesunde Lebensbedingungen zu schaffen

·        Selbstwertgefühlen und Selbstwirksamkeit der Kinder stärken

erreicht werden sollen.

Das soziale Kompetenztraining „Ich bin ein Schatz“, das in Kooperation mit der HWRS, der Schulsozialarbeit und den pädagogischen Fachkräften stattfindet, soll Selbstwertgefühl, Respekt und den richtigen Umgang mit Frustration vermitteln.

Das zweite Beispiel ist das Filmprojekt „short cut“, das in Zusammenarbeit mit der StadtJugendpflegerin Frau Buchholz umgesetzt wird. Das Projekt beinhaltet das Drehen eines Filmes und das anschließende Vorstellen in einer Film-Gala-Show. Frau Bieg erklärt, dass damit die Selbstdarstellung, Teamarbeit, Phantasie und die Kreativität gefördert werden soll und so präventiv unter dem Motto: „Kinder stark machen“ der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung die Stabilität der Persönlichkeit der Kinder und Jugendlichen zu steigen und so die Anfälligkeit für Mobbing-Attacken zu senken.

 

 

Herrn Roland (Leiter der Erziehungsberatungsstelle):

 

Herr Roland gibt an, dass ca. 10 Fälle pro Jahr der Beratungsstelle eindeutig auf Mobbing zurückzuführen sind. In der Einzelfallarbeit bietet die Beratungsstelle deshalb ein ergänzendes Angebot zu den bereits vorgestellten Präventionskonzepten, wo trotz guter Präventionsarbeit eine Mobbingdynamik nicht verhindert werden konnte. Herr Roland sieht als Vorteil, dass hier ein geschützter Rahmen für Kinder und Jugendliche möglich ist, um dort offen über ihre Probleme sprechen zu können. Da Mobbing oft lange Zeit vor den Eltern geheim gehalten wird, ist es wichtig zu schauen, wie dies auf der familiären Ebene besprochen wird. Oft wird der Fehler gemacht, dass entweder zu wenig oder zu viel in der Familie über das Thema gesprochen wird. In der Beratungsstelle können sich Eltern deshalb Tipps holen, wie sie ihr Kind in dieser schwierigen Situation richtig unterstützen und begleiten und ihrer Elternverantwortung gerecht werden. Auf der individuellen Ebene werden Übungen direkt mit den Jugendlichen durchgeführt, welche das Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen wieder stärken. Es wird gemeinsam mit den Betroffenen reflektiert, wieso gerade sie Opfer von Mobbing geworden sind (ohne Verlagerung von Verantwortung und Schuld).

Herr Roland berichtet weiterhin, dass die Jugendhilfe eine Schnittstelle zum Bildungssystem (Zusammenarbeit mit dem Schulpsychologischen Dienst) und eine zum Gesundheitssystem (Weiterverweis an niedergelassene Therapeuten) hat. Da es leider in Zweibrücken keine niedergelassenen Kinder- und Jugendpsychotherapeuten sowie Jugendpsychiater gibt, ist es für einige Klienten schwierig diese in Homburg oder Pirmasens zu erreichen.